Nachbericht: Abwanderung - (k)ein Schicksal? - 2.3. in Echsenbach


 Nachbericht: Teil 3 der Workshop- und Diskussionsreihe in vier Waldviertler Bezirken
„WIR BRAUCHEN SELBSTBEWUSSTEIN, SELBSTVERANTWORTUNG UND BEGEISTERUNG!“ (Pelikan)
ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL? - Freitag, 2. März 2012, Gasthof Klang Echsenbach

„Abwanderung – (k)ein Schicksal“ ist der Titel einer vierteiligen Workshop- und Diskussionsreihe der Waldviertel Akademie, die durch die NÖ Dorf- und Stadterneuerung mitfinanziert wird. Der vorletzte Teil dieser Reihe ging letzten Freitag im Bezirk Zwettl, in der Gemeinde Echsenbach, über die Bühne.


Bereits um 17 Uhr fanden sich mehr als 20 Vertreter aus Vereinswesen, Politik, Wirtschaft und Jugend im Gasthof Klang ein, um am Workshop unter der Leitung von Ernst Wurz teilzunehmen. Dabei wurden Fragestellungen wie „Was macht die Gemeinde Echsenbach und die Region lebenswert?“ und „Damit Echsenbach und die Region auch 2017 lebenswert bleiben, braucht es ...?“ diskutiert. Zentrale Antworten nahmen dabei die Themenbereiche Gemeinschaft, Infrastruktur und Natur ein. (einen Auszug der Ergebnisse finden Sie auf Seite 2!) Einen interessanten Input lieferte auch Regionalberater Josef Wallenberger, der die Abwanderungssituation analysierte und dabei einen durchaus positiven Trend feststellte. Während die Gemeinde in den letzten zehn Jahren nur minus 49 Personen verzeichnen musste, verlor der Bezirk Zwettl mehr als 1.800 Bewohner. „Die Gemeinde hebt sich ab von Krems und den Nachbarbezirken“, so Wallenberger, „ein wichtiger Faktor dabei ist sicher der Leitbetrieb Hartl Haus.“


Angeregte und spannende Diskussionen garantierte auch das anschließende Podium der Abendveranstaltung. Neben Universität für Bodenkultur-Professor Hans Karl Wytrzens sowie Ronald Pelikan vom Raiffeisen-Genossenschaftswesen und der regionalen Prominenz (vertreten durch Bürgermeister Johann Lehr, Dorf- und Stadterneuerungs-Mitarbeiter Josef Strummer und Maria Theresia Schindler sowie Waldviertel-Tourismus Geschäftsführer Andreas Schwarzinger) wurde auch ein Vertreter aus Kärnten (Luis Fuchs aus Bad Bleiberg) eingeladen.

Ronald Pelikan beschäftigt sich in seiner Arbeit vor allem mit Wohnen im Alter und einem gesellschaftlichen Miteinander der Generationen und nahm darauf verstärkt Bezug. „Es geht um Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung und Begeisterung“, so Pelikan.
Ein eher düsteres Bild, welches bei vielen Teilnehmern nicht gerade auf Verständnis stieß, zeichnete Hans Karl Wytrzens, der die kurzfristig erkrankte Marianne Penker vertrat. „Die Prognose für 2031 schaut trist aus“, so der Professor, „das Waldviertel sitzt in einer demografischen Falle.“ Wytrzens plädierte auf die lokale Tradition und Innovation, „um neue Strategien zu entwickeln.“

Einen besonders spannenden Input lieferte Waldviertel Tourismus-Geschäftsführer Andreas Schwarzinger, der für die Ausführungen von Wytrzens kein Verständnis zeigte: „Das Waldviertel ist absolut keine Problemregion.“ Schwarzinger stellte dabei die ständig wachsenden Zahlen von Ankünfte und Nächtigungen in der Region vor und stellte auch zukünftige Trends für den Tourismus vor. „Wenn diese eintreffen, haben wir in den letzten Jahren genau auf die richtige Schiene gesetzt“, so Schwarzinger abschließend.

Maria-Theresia Schindler von der NÖ Dorf- und Stadterneuerung und Peter Mayrhofer vom Verein „Jugend und Lebenswelt“ konzentrierten sich vor allem auf die jüngeren Bewohner der Gemeinden und waren sich auch in einem einig: „Eine professionelle Jugendarbeit kann ein große Mehrwert für die Kleinregion sein.“

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion ergab sich auch ein reger Austausch mit dem Publikum. „Das zeigt, das wir mit unserer Reihe ein wichtiges Thema, welches wirklich jeden betrifft, ansprechen“, so Waldviertel Akademie-Vorsitzender Ernst Wurz, der auch sieben Thesen zum Thema Abwanderung vorstellte. Auch Josef Strummer war damit einer Meinung: „Wir müssen die Betroffenen wieder zu Beteiligten machen, das ist die Idee der NÖ Dorf- und Stadterneuerung – eine Hilfe zur Selbsthilfe.“

Die Abschlussveranstaltung der Reihe findet am 12. April in Großschönau, Bezirk Gmünd, statt.



Workshop: Fragestellungen und „Auszug der Ergebnisse“
ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL?
Freitag, 2. März 2012 im Gasthof Klang Echsenbach

Fragestellung 1: Was macht die Gemeinde Echsenbach und die Region lebenswert?

Gemeinschaft & soziales Miteinander: Zusammenhalt, Freude, gutes Miteinander, Hilfsbereitschaft, generationenübergreifende Zusammenarbeite
Infrastruktur: Nähe zu Zwettl, gute Infrastruktur, im Herzen von drei Bezirken, günstige Bauplätze
Natur: gesunder Lebensraum, Umweltbewusstsein von Gemeinde & Bewohner
Vereine: aktives Vereinsleben, Sportverein, viele Freiwillige
Freizeit: viele Aktivitäten, generationenübergreifende Veranstaltungen, Identifikation mit der Gemeinde durch die Veranstaltungen, große Anzahl an Veranstaltungen, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Kinderspielplatz, Freizeitanlage
Arbeit: Arbeitsplätze (270 bei Hartl Haus)
Jugend: hoher Anteil an Jugendlichen
Sicherheit: geringe Kriminalität
Tradition: Wirtshauskultur, Tradition & Bräuche


Fragestellung 2: Damit Echsenbach und die Region auch 2017 lebenswert bleiben, braucht es ...?
Erhaltung der Infrastruktur
Ausbau der Verkehrsverbindungen
Neues Gemeindeamt sowie neues Jugend- und Vereinshaus
Kommunikationszentrum
Telekommunikationsnetzwerk verbessern
Ausbau der Arbeitsplätze und neue Betriebe
Grundversorgung für jeden Lebensabschnitt
Altersbetreuung
Schaffung Wohnraum & Baufläche
Leistbare Wohnungen für Jugend und Senioren
Wahrung des guten Zusammenhaltes
Einbindung der Jugend in den politischen Entscheidungsprozess



Zitate Workshop und Diskussion
ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL?
Freitag, 2. März 2012 im Gasthof Klang Echsenbach

„Die Welt wächst, aber die EU schrumpft.“
Ernst Wurz stellte sieben Thesen in den Raum, diese war eine davon.

„Das Waldviertel hat gute Aussichten, die Chance ist ein Zurückkommen in die Region.“
Ronald Pelikan, Genossenschaftswesen der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien

„Wenn die Bevölkerung und die Wirtschaft zurückgehen, dann holt sich die Natur ihre Flächen zurück.“
Hans Karl Wytrzens von der Universität für Bodenkultur Wien zeichnete ein tristes Bild

„Not macht erfinderisch. Regionalentwicklung hängt von der Bevölkerung und ihrer Dymnamik um und umgekehrt. Allerdings glaube ich nicht an die große Lösung.“
Derselbe

„Die Lebensqualität muss an oberster Stelle stehen. Die Politik muss die Übereinstimmung mit den Bürgern herstellen.“
Luis Fuchs, Vizebürgermeister der Kärntner Gemeinde Bad Bleiberg

„Das Waldviertel ist eine sehr innovative Region und nicht umsonst in den Top zehn Österreichs. Wir sind in allen Bereichen konstant gut, das zeugt auch von einer gewissen Krisensicherheit.“
Andreas Schwarzinger, Geschäftsführung Waldviertel Tourismus

„Es gibt nicht, was uns negativ in die Zukunft schauen lässt.“
Derselbe

„Wenn die Jugendlichen nicht in Wien sein können bringen sie ihre Kultur eben ins Waldviertel. Es gibt nirgends in Niederösterreich so viele Jugendkulturvereine wie hier.“
Maria Theresia Schindler, NÖ Dorf- und Stadterneuerung

„Wir wollen einen Modellversuch der mobilen Jugendarbeit starten. Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, sich kreativ zu betätigen und so auch positive Schlagzeilen liefern.“
Petr Mayrhofer, Verein Jugend & Umwelt

„Wir müssen nicht immer schauen, was die Anderen haben, sondern auf das Stolz sein, was wir selbst haben.“
Josef Strummer, Büroleiter NÖ Dorf- und Stadterneuerung

„Wir brauchen ein starkes Zentrum, das in die Region ausstrahlt.“
Regionalberater Josef Wallenberger

„Wir müssen zu jammern aufhören. Das Waldviertel ist auch eine Zuzugsregion. Es zi ehen mehr Leute hierher als weg, das Problem bleibt natürlich die Geburtenbilanz. Es wird nicht lustig, aber es ist bewältigbar.“
Derselbe

 

 

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