Nachbericht: Abwanderung - (k)ein Schicksal

 

Nachbericht: Teil 2 der Workshop- und Diskussionsreihe in vier Waldviertler Bezirken

„UNSERE REGION HAT ETWAS IM ÜBERFLUSS – LEBENSQUALITÄT“ (Ursula Poindl)

ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL? - Freitag, 20. Jänner 2012 in der Schlosstaverne Greillenstein


„Abwanderung – (k)ein Schicksal“ ist der Titel einer vierteiligen Workshop- und Diskussionsreihe der Waldviertel Akademie, die durch die NÖ Dorf- und Stadterneuerung mitfinanziert wird. Teil zwei dieser Reihe ging letzten Freitag im Bezirk Horn, in der Gemeinde Röhrenbach, über die Bühne.

 

Bereits um 17 Uhr fanden sich mehr als 30 Vertreter aus Vereinswesen, Politik und vor allem der Jugend in der Schlosstaverne Greillenstein ein, um am Workshop unter der Leitung von Ernst Wurz teilzunehmen. Dabei wurden Fragestellungen wie „Was macht die Gemeinde Röhrenbach und die Region lebenswert?“ und „Damit Röhrenbach und die Region auch 2020 lebenswert bleiben, braucht es ...?“ diskutiert. Zentrale Antworten nahmen dabei die Themenbereiche Gemeinschaft, Infrastruktur und Natur ein. (einen Auszug der Ergebnisse finden Sie auf Seite 2!) Einen interessanten Input lieferte auch Regionalberater Josef Wallenberger, der die Abwanderungssituation am Beispiel Röhrenbach analysierte und dabei einen durchaus positiven Trend feststellte.

 

Angeregte und spannende Diskussionen garantierte auch das anschließende Podium der Abendveranstaltung. Neben Experte Ökonom Heinrich Wohlmeyer (Universität für Bodenkultur Wien) und der lokalen Prominenz (vertreten durch Bürgermeister Gernot Hainzl, Dorf- und Stadterneuerungs-Büroleiter Josef Strummer und Regionalmanagerin Ursula Poindl) wurde auch ein Vertreter aus der Steiermark (Gerhard Vötsch von der Landentwicklung Steiermark) eingeladen.

 

Wohlmeyer appellierte in seinem Referat an Dezentralisierung und Selbstversorgung. „Wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen und uns von Ernährung bis Energie gegen die Zentralisierung einsetzen“, so der Experte. Visionäre sollen nicht belächelt werden, sondern unterstützt, so Wohlmeyer weiter.

Vötsch stellte in seinem Vortrag Gemeinde-Reformtrends in der Steiermark und ganz Österreich in den Mittelpunkt, blickte aber auch optimistisch in die Zukunft: „Wir können es schaffen, das Damoklesschwert Ausdünnung in Griff zu bekommen.“ Für den Landentwickler werden Gemeindezusammenlegungen wie in der Steiermark in Zukunft unausweichbar sein. Als Vorbild könne auch das Steirische Vulkanland herangezogen werden, eine Region bestehend aus 16 Kleinregionen, 79 Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohner, die sich als Gesamtes vermarktet.

 

Regionalmanagerin Poindl bezog sich auf die Vielschichtigkeit des Themas Abwanderung und auf mögliche Chancen auf einen Gegentrend. „Green Jobs sind wichtig, daran müssen wir arbeiten“, so Poindl. Ähnlich wie Vötsch sah auch Dorferneuerer Strummer in der Bürgerbeteiligung die große Chance für die Zukunft. „Es geht oft um kleine Sachen und die Identifikation mit dem eigenen Ort“, so Strummer. Bürgermeister Hainzl und einige Workshop-Teilnehmer stellten im Rahmen der Diskussion auch die Ergebnisse des Nachmittages vor. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“, konstatierte Hainzl. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion ergab sich auch ein reger Austausch mit dem Publikum. „Das zeigt, das wir mit unserer Reihe ein wichtiges Thema, welches wirklich jeden betrifft, ansprechen“, so Waldviertel Akademie-Vorsitzender Ernst Wurz, der auch sieben Thesen zum Thema Abwanderung vorstellte.

 

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 2. März in Echsenbach, Bezirk Zwettl, statt.

 

Workshop: Fragestellungen und „Auszug der Ergebnisse“

ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL?

Freitag, 20. Jänner 2012 in der Schlosstaverne Greillenstein

 

Fragestellung 1: Was macht die Gemeinde Röhrenbach und die Region lebenswert?

 

Kultur: Kulturelles Erbe, Schloss Greillenstein

Soziales Miteinander: Bürgernähe, Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe, familiäre Gemeinde, Familienfreundlichkeit, wenig

Kriminalität Jugend: aktive Jugend, günstige Bauplätze

Natur: Schönheit, Freiraum, Ruhe

Infrastruktur: Radwege, Betriebe vorhanden, Nähe zu Horn, gute Infrastruktur

Vereine: aktives Vereinsleben

Landwirtschaft: aktive Landwirte

 

Fragestellung 2: Damit Röhrenbach und die Region auch 2020 lebenswert bleiben, braucht es ...?

Kinderbetreuungseinrichtungen

Lehrstellen, Ausbildungsplätze

Schaffung von Arbeitsplätzen

Organisation des (Nah-)Verkehrs

Ausbau Tourismus

Förderung des Vereinswesens

Gutes Vereinsleben und gute Dorfgemeinschaft

Weiterentwicklung im Bereich „erneuerbare Energien“

Genügend Bauplätze

Wertschätzung landwirtschaftlicher Strukturen

Gemeindekooperationen und Zusammenarbeiten auf kommunaler und regionaler Ebene

 

Zitate Workshop und Diskussion

ABWANDERUNG – (K)EIN SCHICKSAL?

Freitag, 20. Jänner 2012 in der Schlosstaverne Greillenstein

 

„Die Welt wächst, aber die EU schrumpft.“

Ernst Wurz stellte sieben Thesen in den Raum, diese war eine davon.

 

„Es kostet nichts, andere Menschen anzusprechen und zum Mitmachen zu ermutigen.“

Gerhard Vötsch, Landentwicklung Steiermark

 

„Es ziehen auch Hauptwohnsitzer von Wien ins Waldviertel. Wir müssen die alten Bilder aus den Köpfen bekommen.“

Josef Wallenberger, Regionalberater

 

„Es interessiert nicht, was in der Vergangenheit war. Wichtig ist, was ist heute und was morgen.“ Josef Wallenberger, Regionalberater

 

„Es geht um ernst gemeinte Bürgerbeteiligung und nur mit engagierten Menschen.“

Josef Strummer, NÖ Dorf- und Stadterneuerung

„Wir müssen radikal dezentralisieren und uns vernetzen. Die Dinge selbst in die Hand nehmen.“ Heinrich Wohlmeyer, Universität für Bodenkultur Wien

„Das Beste, was du für die Welt und deine Heimat tun kannst, ist lokal produzieren und konsumieren.“ Derselbe

 

„Wir sind eine kinderfeindliche Gesellschaft.“

Josef Strummer, NÖ Dorf- und Stadterneuerung

 

„Die Flexibilität und die Beteiligung ist da , man muss sie nur abholen.“

Gerhard Vötsch, Landentwicklung Steiermark

 

„Wir müssen an uns und die Region glauben.“

Ursula Poindl, Regionalmanagerin Waldviertel

 

„Unsere Region hat etwas im Überfluss, und zwar Lebensqualität.“ dieselbe

 

„Wir müssen die eigenen Stärken entdecken, diese ausformulieren und rüberbringen.“

Heinrich Wohlmeyer, Universität für Bodenkultur Wien

 

 

v.l.n.r.: Heinrich Wohlmeyer (Universität für Bodenkultur Wien), Ursula Poindl (Regionalmanagerin), Gernot Hainzl (Bürgermeister Röhrenbach), Josef Strummer (NÖ Dorf- und Stadterneuerung), Gerhard Vötsch (Landentwicklung Steiermark), Ernst Wurz (Waldviertel Akademie)

v.l.n.r.: hatten am Podium sichtlich Spaß: Gerhard Vötsch, Gernot Hainzl, Ernst Wurz, Heinrich Wohlmeyer, Ursula Poindl, Josef Strummer

 

 

Unsere Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Infos