Aktuelle Kaufkraftstromanalyse für das Waldviertel

Kaufkraft aus dem Waldviertel fließt ab, schwierige Situation für Geschäfte in den Innenstädten aber Kaufkraftzuflüsse aus Tschechien, positive Tourismusentwicklung und relativ gutes Abschneiden der Waldviertler Städte beim „City Check“. Am Donnerstag, 23. Jänner wurden in der Wirtschaftskammer Zwettl die regionale Auswertung zur Entwicklung der Kaufkraft, der Kaufkraftströme und des Einzelhandels präsentiert.

 

 


Diese umfassende Untersuchung, für die  ca. 12.000 Haushaltsinterviews durchgeführt wurden, ist gemeinsam von der Landesregierung Niederösterreich und der Wirtschaftskammer NÖ Sparte Handel in Auftrag gegeben worden. Studienautor Mag. Stefan Lettner referierte vor einer zahlreich erschienenen interessierten Zuhörerschaft. Eröffnet wurde die Veranstaltung von GF Christof Kastner, Stv. Spartenobmann Handel und Thomas Samhaber vom Regionalmanagement Niederösterreich Büro Waldviertel.

Zusammenfassung der Auswertungen
Als periphere Region hat das Waldviertel mit Abwanderung zu kämpfen, insbesondere die Bezirke Gmünd und Waidhofen an der Thaya sind stark betroffen. Bis auf den Bezirk Krems weisen alle Bezirke des Waldviertels ein unterdurchschnittliches Wohlstandsniveau, gemessen am Kaufkraft- Index, auf. Der Tourismus entwickelt sich hingegen positiv. Mit rund 1,2 Mio. Nächtigungen liegt das Waldviertel hinter NÖ-Süd und NÖ-Mitte an dritter Stelle des Regionsvergleichs und erreicht mit einem Plus von 24 % die höchste Steigerungsrate im Zeitraum 2006 bis 2011. Die Auswirkungen des Tourismus auf den Einzelhandel sind allerdings je nach Destination sehr unterschiedlich zu bewerten.

Angebotsstruktur und Kaufkraft-Kennzahlen
Einhergehend mit der Bevölkerungsentwicklung sind auch beim Kaufkraft- Volumen Rückgänge in fast allen Bezirken des Waldviertels festzustellen. Hinsichtlich Angebotsstruktur und Kaufkraft-Kennzahlen haben sich die Bezirke allerdings sehr unterschiedlich entwickelt. Die Eröffnung eines großen Möbelhauses in Zwettl sowie eines Einkaufszentrums in Waidhofen an der Thaya haben viele Kennzahlen im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2006 deutlich verbessert. Allerdings ist festzustellen, dass sich diese Entwicklung vor allem in Waidhofen negativ auf die Innenstadt auswirkte. Während die Bezirke Horn, Krems und Gmünd geringfügige Rückgänge bei der Verkaufsfläche verzeichnen, haben die Bezirke Zwettl (+25%) und Waidhofen an der Thaya (+20%) kräftig zugelegt, insbesondere im mittel- und langfristigen Bedarfsbereich. Dennoch verfügen die Bezirke Krems (150 Tsd. qm) und Horn (79 Tsd. qm) nach wie vor über die meiste Verkaufsfläche im Waldviertel. Die Veränderungen der Angebotsstrukturen spiegeln sich auch in den Kaufkraft-Kennzahlen wider. So hat sich beispielsweise die Kaufkraft-Eigenbindung in den Bezirken Zwettl und Waidhofen an der Thaya um jeweils 5 Prozentpunkte verbessert, während sie in Horn relativ stabil blieb (+1) und sich in Krems (-2) und Gmünd (-4) rückläufig darstellt. Die gleiche Tendenz zeigt sich bei den Kennzahlen Wirksame Kaufkraft und Einzelhandelszentralität. Während die Bezirke Waidhofen an der Thaya und Zwettl bei beiden Kennzahlen deutlich zulegen, verliereninsbesondere die Bezirke Gmünd und Krems.


Kaufkraft-Verflechtungen
Die innerregionalen Kaufkraft-Verflechtungen haben sich im Waldviertel in den letzten sieben Jahren doch einigermaßen verändert, es sind klaren Verlagerungstendenzen festzustellen. Während sich die Kaufkraft-Zuflüsse in die Bezirke Krems und Horn reduzierten, stiegen sie gleichzeitig in Zwettl und Waidhofen an der Thaya an.  Bei den Regionsgrenzen überschreitenden Kaufkraft-Verflechtungen sind die Kaufkraft-Abflüsse Richtung Wien deutlich, jene nach Tschechien geringfügig zurückgegangen. Die Ausgaben im E-Commerce sind hingegen kräftig gestiegen. Die Kaufkraft-Zuflüsse aus Tschechien sind gestiegen, jene aus Wien konstant geblieben.


Innenstädte und Ortszentren
Die Situation für die Ortszentren und Innenstädte hat sich im Laufe der letzten sieben Jahre weiter verschlechtert. Nur mehr 21% der landesweiten Verkaufsfläche sind in Zentrumslagen situiert, der Anteil an leer stehenden Geschäftslokalen hat deutlich zugenommen. Im Vergleich schneiden die Waldviertler Zentralorte im „City-Check“ durchaus passabel ab. Während Krems trotz leichter Einbußen bei Angebot und Attraktivität seine Spitzenposition als Einkaufsort im Waldviertelbehaupten kann und sich die Situation in Horn und Zwettl vergleichsweise stabil darstellt, sind vor allem in den Innenstädten von Gmünd und Waidhofen an der Thaya zunehmende Probleme erkennbar. Die kleineren Zentralorte Schrems, Weitra, Gars am Kamp und Groß-Gerungs erreichen im „Orts-Check“ mittelmäßige bis gute Bewertungen.

Für nähere Informationen wird auf die Detailberichte verwiesen, die auch für die Hauptorte erstellt wurden.
Diese sind bei der Wirtschaftskammer NÖ, Sparte Handel Landsbergerstraße 1 | 3100 St. Pölten
T 02742/851-18300 zu beziehen.


Links: www.wko.at

Fotocredit: ©REGIONALMANAGEMENT Niederösterreich Büro Waldviertel

 

Personen von l.n.r.  Vizebürgermeister Dieter Holzer - Wirtschaftskammerobmann Zwettl, MMag. Andrea Kaufmann – Bezirkshauptmannschaft Zwettl, Thomas Samhaber – Regionalmanager Waldviertel, Geschäftsführer Christof Kastner - Obmann Stellvertreter der Sparte Handel WKNÖ,  Mag. Karl Ungersbäck - Sparte Handel WKNÖ, Studienautor Mag. Stefan Lettner - Fa. CIMA, Ing. Reinhart Blumberger – Obmann, WK Waidhofen/Thaya

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