Pressenachbericht: Hiroshima - Nagasaki – Fukushima

Krems/Donau: Am Freitag, den 31. Oktober 2014, veranstaltete der Waldviertler Energiestammtisch in Zusammenarbeit mit der Anti-Atom-Koordination des Landes NÖ, Stadtgemeinde bzw. Klima- und Energiemodellregion Krems und dem Verein „Gemeinsam für Sonne und Freiheit“ einen Vortragsabend mit Diskussion zum Thema „Hiroshima - Nagasaki – Fukushima“ in der Halle der Begegnung der Pfarre Krems St. Paul. 

 


Dabei wurden nicht nur Hintergründe, Lage u. Aussichten nach dem verheerenden Unfall im Kraftwerk Fukushima besprochen, sondern auch z.B. die Frage, wieviel die Kernkraft global bzw. in den jeweiligen Ländern zur Energieversorgung beiträgt und welche enormen Risiken und Kosten dafür in Kauf genommen werden.

Kazuhiko Kobayashi, ein 68jähriger Japaner, berichtete über die skandalösen Vorgänge rund um Fukushima, über atomare Verbrechen und leidende zivile Opfer, über Kernwaffen und wie sie mit der „zivilen“ Atomkraftnutzung zusammenhängen. Er zeigt Fotos von der Dekontaminierung, bei der die oberste Erdschicht (5-10 cm) abgetragen wird. Dies geschieht in der Hoffnung, dass die radioaktive Verstrahlung damit reduziert werden kann. Das Ergebnis sind Tausende schwarzer Plastiksäcke, in denen die verstrahlte Erde gesammelt wird und deren Entsorgung nicht geklärt ist.

Aber nicht nur die verstrahlte Erde, sondern auch radioaktives Wasser fällt in großen Mengen an und füllt unzählige Tanks. Laut Hersteller gibt es eine Garantie, dass die Tanks 6 Jahre dicht sind, weit entfernt von der viel längeren Halbwertszeit von Cäsium u. a. Stoffen, die durch den Atomunfall freigesetzt wurden bzw. z.T. werden.

Bemerkenswert ist auch, dass der Grenzwert für Radioaktivität nach dem Unfall in Fukushima von 1 Millisievert auf 20 erhöht wurde. Dies war eine Empfehlung der IAEA, der internationalen Atomenergieagentur, der Behörde, die allein global für Atomkraft zuständig ist. Warum der Grenzwert erhöht wurde? Herr Kobayashi berichtet, dass wohl auch stark mitgespielt hat, dass sonst die Entschädigungszahlungen eine zu große Höhe erreicht hätten. Die Zahl der Kinder mit Schilddrüsenkrebs liegt derzeit bei rund 100. Das ist ein extrem hoher Wert und zwar rund 300 Mal höher als die statistische Erwartung, die bei 1:1 Mio.! liegt.

Herr Kobayashi berichtet auch, dass aktuell die Bestrebungen in Richtung Wiederinbetriebnahme von 2 der 48 Atomkraftwerke in Japan angelaufen sind. Wenn man bedenkt, dass derzeit die Stromversorgung allein durch den Betrieb von rund der Hälfte der konventionellen Kraftwerke sichergestellt wird, dann ist klar, dass es mächtige Interessen für den Weiterbetrieb der japanischen Kernkraftwerke gibt. Dass dies in einem Land, in dem Erdbeben an der Tagesordnung stehen, als unverantwortlich zu bezeichnen ist, steht außer Zweifel.

Herr Kobayashi, der lange in Europa gelebt hat und es als seine zweite Heimat bezeichnet, warnt am Ende eindringlich davor, dass z.B. bei einem Unfall in der Wiederaufbereitungsanlage La Hague eine enorme Verseuchung die Folge wäre. Dass ganze Landstriche unbewohnbar würden und dass es gelte, genau solches zu verhindern. Dass Kinder nicht draußen spielen können, wie es in der Präfektur Fukushima seit dem Atomunfall der Fall ist, das ist doch keine Perspektive, oder?

Ein beeindruckender Abend mit viel Information über die Zusammenhänge zwischen Kernkraftwerken und Atomwaffen einerseits, aber auch die Organisation von Spenden für Betroffene der Atomkatastrophe von Fukushima, insbes. für Mütter mit Kindern. Anschließend an den beeindruckenden Vortrag gab es Zeit für Fragen bzw. Austausch und Vernetzung an den Infoständen der Klima-und Energie-Modellregion Krems und des Waldviertler Energiestammtisches zu Anti-Atom und Energiewende.

Beim Pressegespräch um 14 Uhr im Gasthaus Graf in St. Pölten war nicht nur Kazuhiko Kobayashi anwesend, sondern es gab auch Beiträge von der Wiener Plattform Atomkraftfrei zur aktuellen Diskussion bzgl. grenznaher Atomkraftwerke, von Bernhard Riepl zur generellen Diskussion in Tschechien bzw. zur internationalen Vernetzung von Aktivisten und seitens des Waldv. EnergieStammtisches.

Die seitens der alten EU-Kommission noch bewilligte enorme Subventionierung eines neuen Atomkraftwerkes in Großbritannien, ist ein Fall genau für diese internationale Vernetzung. Dabei handelt es sich um wertgesicherte Einspeisetarife für 35 Jahre in Höhe von über 11 Cent pro Kilowattstunde! für ein neues Atomkraftwerk.

Die seitens der österreichischen Bundesregierung bereits angekündigte Wettbewerbsklage ist ein enorm wichtiger Akt, denn diese Entscheidung ist umstritten und steht sicher nicht im Einklang zum – wenn es um die Stärkung erneuerbarer Energien geht – sehr oft genannten Wettbewerbsrecht. Die Anwesenden waren sich einig, wenn die Kräfte gebündelt werden und wenn österreichische, britische, deutsche, … Aktivisten zusammenarbeiten, dann kann es gelingen, hier so stark zu werden, dass solche Auswüchse verhindert bzw. korrigiert werden können.

Einen interessanten Beitrag lieferte auch Christof Stenzel, der berichtete, dass bei einem IAEA-Vortrag an der BOKU auf die Frage, wie und wo der ja jedenfalls anfallende Atommüll gelagert werden kann und soll, keine Antwort kam, sondern vielmehr der Eindruck entstand, dass man sich diese Frage bisher nicht gestellt hatte!

Dokumentation in Ton und Bild:
Dank der Unterstützung von Ing. Friedel HANS, hier die Links zu allen 3 Videos, die online sind:
- Vortrag in Krems am 31.10.2014: http://youtu.be/CY30DaTGWNE
- Pressegespräch in St. Pölten am 31.10.2014: http://youtu.be/Bkcgan9NbBY
- Nachricht nach Japan aus Krems: http://youtu.be/vCJRJ5CrQ5w

Rückfragehinweis:
Waldviertler Energie-Stammtisch, Renate Brandner-Weiß, Teamsprecherin
+43 664/43 65 393, energiestammtisch@wvnet.at, www.energiestammtisch.at.tt

 

Fotocredit: Waldviertler Energie-Stammtisch

 

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