Wohin verschwinden die Grenzen

Sichtbare Grenzen werden innerhalb der Europäischen Union nach einem festgelegtenZeitplan abgebaut und verschwinden – zumindest scheinbar. Entsprechend paradox ist der Satz „Wohin verschwinden die Grenzen?“

 


 Würden sie wirklich verschwinden, müssten wir nicht fragen, wohin. Sie wandern: einerseits an die EU-Außengrenzen, wo sie in sehr
ähnlicher Erscheinungsform – Stacheldrahtzäune, Absperrungen, Mauern, strenge Personen- und Warenkontrollen etc. – wieder auftauchen; andererseits weg von der Grenze in das Land hinein, in eine Aufwertungsdiskussion der Regionen, in (überwachte und
eingezäunte) Siedlungen, in Diskussionen und Maßnahmen zu Sicherheit, Migration, Aufenthaltsrecht etc.


Bereits 2009 wurde die Arbeit „Wohin verschwinden die Grenzen? – Kam mizí hranice?“ von Iris Andraschek und Hubert Lobnig direkt an der Grenze zwischen Österreich und Tschechien (bei Fratres / Slavonice) eröffnet. Für 2014, zum 25. Jahresjubiläum der Öffnung des Eisernen
Vorhangs, wird die u.a. als Display funktionierende Installation um einen zweiten Teil auf der gegenüberliegenden Straßenseite erweitert und mit aktuellen Arbeiten zum Grenzdiskurs von österreichischen, polnischen und tschechischen Künstler_innen bespielt.

Die Metallkonstruktion erinnert an Leichtbaukonstruktionen, wie sie in Tschechien vor allem in der verstaatlichten Landwirtschaft verwendet wurden, aber auch an Zäune, Abgrenzungen, Absperrungen. Die neu errichtete Konstruktion beginnt in Verlängerung der bereits bestehenden auf einem Teil des stillgelegten Straßenverlaufs und zieht sich entlang einer Böschung weit sichtbar wenige Meter von der eigentlichen Grenzlinie entfernt hin. Die
Konstruktion wird durch Würfelelemente erweitert.


Eine Wiederaufnahme und Weiterführung des im Jahr 2009 gestarteten Projekts erscheint sinnvoll, hat sich die Diskussion seit damals doch weiterbewegt und zugespitzt. Die Grenzübergänge innerhalb der Schengen-Länder sind zum Großteil real abgebaut und alles was langläufig an Grenze im klassischen Sinn erinnert, verkauft und demontiert worden. Die Grenzhäuser wurden privatisiert – die Anbauten, Befestigungen, Schranken, Kontrollhäuschen
etc. zerlegt und abtransportiert. Damit ist ein Stück Zeitgeschichte verschwunden, ein Umstand, der uns zu Zeitzeugen macht. Wir sind innerhalb der EU ein gutes Stück freier geworden, aber auch beklommen in Anbetracht der Flüchtlingsströme aus Kriegs- und Krisengebieten und in Vergegenwärtigung der andernorts neu errichteten Zäune und Mauern. 

   

Daten und Fakten

Wohin verschwinden die Grenzen /Kam Mizí Hranice?

Eröffnung: Samstag, 30. August 2014, 15.00 Uhr

am ehemaligen Grenzübergang Fratres / Slavonice

   

Es sprechen:

  • Rudolf Hofstätter, Bürgermeister Waldkirchen/Thaya
  • Erich Klein, Publizist, Übersetzer
  • Iris Andraschek, Künstlerin
  • Bundesrat Ing. Eduard Köck, in Vertretung vonLandeshauptmann Dr. Erwin Pröll

Download: Information_wohinverschwindendiegrenzen.pdf (347.69 KB)

Unsere Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Infos