Podiumsdiskussion: Beibehaltung der Wehrpflicht oder Schaffung eines Berufsheeres?


GROSSES INTERESSE ABER AUCH KRITIK AN DER VORGEHENSWEISE DER REGIERUNG
Freitag, 11. Jänner 2013, 19 Uhr, Vereinssaal Hirschbach

Rund 200 Personen ließen sich am Freitag die Möglichkeit nicht entgehen, an der von der WALDVIERTEL AKADEMIE im Vereinsaal Hirschbach durchgeführten Podiumsdiskussion „Beibehaltung der Wehrpflicht oder Schaffung eines Berufsheeres?“ teilzunehmen. Dabei konnte die Kultur- und Bildungsinitiative ein sehr illustres und hochkarätiges Podium begrüßen: Generalstabschef Edmund Entacher, Verteidigungsminister aD Friedhelm Frischenschlager, Rot Kreuz-Präsident Willi Sauer, Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter und Schülervertreter Moritz Fraberger sorgten für einen spannende Diskussion. „Es zeigt, dass die Bevölkerung großes Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung zum Thema hat“, so Vorsitzender Ernst Wurz, „wir hoffen natürlich, dass eine große Mehrheit am 20. Jänner an der Volksbefragung teilnimmt, damit nicht eine Minderheit die Zukunft der österreichischen Landesverteidigung entscheidet.“

 


Es herrschte großes Interesse im Hirschbacher Vereinssaal.



Frischenschlager zeigte auf, dass bereits eine Mehrheit der EU-Länder mit einem Berufsheer operiere und übte auch große Kritik an der Vorgehensweise der Regierung: „Die Debatte ist inhaltlich miserabel, das Pferd wird von hinten aufgezäumt. Von vielen wird diese Volksbefragung als Zumutung empfunden.“ Frischenschlager warb für das Berufsheer, eine sinnvolle militärische Ausbildung sei in sechs Monaten nicht machbar: „Eine Umstellung ist machbar, wird aber natürlich einige Probleme bereiten. Aber ich hoffe, dass mit Ende der Wehrpflicht die Regierung gezwungen ist, die sicherheitspolitischen Überlegungen zu überdenken.“

Generalstabschef Edmund Entacher stellte in seinem Eingangsstatement die derzeitigen Aufgaben und Leistungen des Bundesheeres dar. Er plädierte für die Beibehaltung des derzeitigen Systems, gab aber Reformbedarf zu: „Man kann die sechs Monate wesentlich optimieren, wir wissen wo wir anzusetzen haben und wissen auch wie es geht.“ Entacher warnte vor einem weiteren Kapazitätsabbau und zeigte sich von der aktuellen Diskussion enttäuscht: „Die Aussage ‚Profis können das besser’ ist schwachsinnige Propaganda – die von uns eingesetzten Personen sind Profis.“

 


Generalstabschef Edmund Entacher warb für die Wehrpflicht.


 
Willi Sauer lobte die hervorragenden Leistungen der Zivildiener für die Gesellschaft und warnte vor Abschaffung der Wehrpflicht und der Einführung eines bezahlten Sozialjahres: „Gemeinwohl kann nicht durch Lohnarbeit ersetzt werden, das führt zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft und zum Ende der Freiwillligkeit.“


Das Podium vor der Veranstaltung, v.l.n.r.: Moritz Fraberger, Bernd Wachter, Friedhelm Frischenschlager, Edmund Entacher, Moderator Wilhlem Theuretsbacher, Willi Sauer und Ernst Wurz.

Diskussionsbedarf: Wilhlem Theuretsbacher, Edmund Entacher und Willi Sauer.

 
Auf beide mögliche Ergebnisse der Volksbefragung vorbereitet ist die Caritas Österreich. „Der Zivildienst war für uns nie in Stein gemeißelt“, so Generalsekretär Bernd Wachter, „es würden sich auch für das neue Modell Leute finden lassen. Allerdings ist dies dann eine bezahlte Arbeit und hat mit dem derzeitigen Zivildienst nichts mehr zu tun. Kommt diese Umstellung, wird es einen Ausbau der Freiwilligkeit brauchen.“

Aufhorchen ließ auch der ehemalige Horner Schulsprecher Moritz Fraberger. Er beanstandete die Verdrossenheit der Jugend an diesem Thema und kritisierte gleichzeitig: „Die Diskussion dreht sich im Kreis, Kernpunkte werden nicht einbezogen und die Jugend wurde auf keinster Weiße dazu aufgeklärt.“ Fraberger stellte auch klar, dass der Staat für die gute und teure Ausbildung der Jugendlichen auch etwas verlangen dürfe und das derzeitige Modell somit sehr sinnvoll sei.

Die zahlreichen Publikumsmeldungen zeigten, dass sich auch die Waldviertler Bevölkerung nach wie vor intensiv mit den Themen Wehrpflicht und Berufsheer beschäftigt. Großen Applaus erntete auch eine Dame, die ein verpflichtendes „Österreich-Jahr“ für Frauen und Männer forderte.

 

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