Nachbericht: Der gläserne Mensch vom 10.05.2012

 


Waldviertler Denkwerkstatt: Der gläserne Mensch – Datenschutz vs. Verbrechensaufklärung
„MIT DER VORRATSDATENSPEICHERUNG WIRD DIE UNSCHULDSVERMUTUNG ABGESCHAFFT!“
(Markus Stoff, Initiative für Netzfreiheit)
Donnerstag, 10. Mai 2012, 19 Uhr in der Waldviertler Sparkasse Waidhofen/Thaya

Der dritte Teil des Veranstaltungszykluses „Schöne neue Welt? – wie der Computer unser Leben verändert“ der WALVIERTEL AKADEMIE ging am Donnerstag zum Thema „Der gläserne Mensch – Datenschutz vs. Verbrechensaufklärung“ über die Bühne. Sparkassen-Vorstand Ewald Höbarth dankte der Akademie in seinen Grußworten für die vielfältigen Tätigkeiten und sparte dabei nicht mit Lob: „Die Waldviertel Akademie ist ein langjähriger guter Partner, der hervorragendes für die Region leistet.“ Auch Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller übernahm bei der Veranstaltung Grußworte: „Für mich ist es als Verwaltungsjurist ein sehr wichtiges Thema, gleichzeitig möchte ich dieser Institution meine Wertschätzung überbringen.“


Foto Podium, v.l.n.r: Peter Parycek (Donau-Universität Krems), Gregor König (Datenschutzkommission Österreich), Wolfgang Brandstetter (Institut für europäisches und internationales Wirtschaftsstrafrecht an der Universität Wien), Moderator Reinhard Linke, Günter Haring (Fakultät für Informatik der Universität Wien), Markus Stoff (Initiative für Netzfreiheit).


Moderator Reinhard Linke führte souverän durch den Abend und ließ gleich zu Beginn mit einer Vorausschau aufhorchen: „Es ist zu befürchten, dass Vorratsdatenspeicherung das Wort des Jahres wird.“ Die Podiumsdiskussion drehte sich von Anfang an um die interessantesten Themen rund um Datenschutz, die gegensätzlichen Meinungen wurden bestärkt, auch lautstark, vertreten. Verfassungsjurist Wolfgang Brandstetter vom Institut für europäisches und internationales Wirtschaftsstrafrecht der Universität Wien brachte den zahlreichen Zuhörern die Vorratsdatenspeicherung – ihre Bedeutung und Umsetzung – näher. „Es ist ein Grundrechtseingriff“, so Brandstetter, „aber es ist eine EU-Richtlinie, die umgesetzt wurde, ich habe kein Problem damit.“ Auch ein Statement von Sicherheitsdirektor Franz Prucher, der sich kurzfristig entschuldigen musste, hatte Brandstetter parat: „Es gibt damit entsprechende Erfolge!“
Der Informatiker Günter Haring formulierte danach zehn Thesen zum Thema „digitale Welt und Datenschutz“. Diese reichten von „Der Mensch unterliegt einer digitalen Vollerfassung“ bis hin zu „Die digitale Welt erzeugt neue Rahmenbedingungen für die Gesellschaft“ und boten eine interessante Diskussionsgrundlage. „Die Freiheit wird uns scheibchenweise weggenommen“, warnte der Informatiker.
Gregor König von der Österreichischen Datenschutzkommission stellte die Arbeit seiner Behörde in den Mittelpunkt und stellte dabei auch klar, dass die Kommission nur innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen arbeiten könne.
Der Leiter des Zentrums für E-Governance an der Donau-Universität Krems brachte danach einiges an Zündstoff in die Diskussion: „Mit der Vorratsdatenspeicherung wird die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt, das ist absurd.“ Eine Meinung, der sich Markus Stoff von der Initiative Netzfreiheit anschloss: „Der Staat will nicht automatisch unser Bestes. Es stehen eine Menge an Daten zur Verfügung, die nicht nur in Verdachtsmomenten genützt werden können.“
Parycek betonte aber auch, dass er optimistisch sei: „Die Gesellschaft ist stark wie nie, sie hat durch das Internet eine Selbstorganisationskraft.“
Auch Haring wagte eine Blick in die Zukunft: „Die Welt wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch massiver verändern, derzeit ist es nur die Spitze des Eisbergs.“

Auch das Publikum schaltete sich zahlreich in die interessante Diskussion, die letztendlich knapp drei Stunden dauerte ein. Dass auch danach Diskussionsbedarf gegeben war, zeigte die Weiterbehandlung des Themas bei einem gemütlichen Glas Wein oder Mineral auf Einladung der Waldviertler Sparkasse von 1842.

 

Rückfragehinweis:
WALDVIERTEL AKADEMIE , Christoph Mayer, MAS
0664/32 39 129
Bahnhofstraße 12, 3830 Waidhofen/Thaya
waldviertel.akademie@wvnet.at / 02842/537 37
www.waldviertelakademie.at

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